Monitoring der Kernindikatoren zum Informatikunterricht
Informatische Kompetenzen sind heute unverzichtbar, um die digitale Welt zu verstehen, aktiv mitzugestalten und mündig an Gesellschaft, Bildung und Beruf teilzuhaben. Der Informatik-Monitor bietet ein Monitoring der wichtigsten Anliegen, die Politik, Hochschulen und Schulen angehen müssen, um bis 2035 eine flächendeckende, fundierte Grundlage dieser Kompetenzen für alle Jugendlichen zu gewährleisten. Wir sammeln Daten zu diesen Bereichen und stellen eine Zusammenfassung zur Verfügung, um mehr Transparenz in der fragmentierten Bildungslandschaft zu schaffen. Diese Datengrundlage dient als Referenz für die vielfältigen Akteure und Stakeholder, die laufende Diskussionen und Entwicklungen in diesem Bereich vorantreiben. Wir streben eine Zukunft an, in der alle jungen Menschen in Deutschland nach ihrem Schulabschluss über die notwendigen digitalen und informatischen Kompetenzen für gesellschaftliche Teilhabe, technologische Mündigkeit und ihr zukünftiges Berufsleben verfügen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Schulart und Bundesland.
Ein Pflichtfach Informatik ist von zentraler Bedeutung, um allen Kindern und Jugendlichen in einer durch Digitalisierung geprägten Welt notwendigen informatische Kompetenzen zu vermitteln. Die Ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) fordert zum jetzigen Zeitpunkt ein Pflichtfach Informatik mit vier Wochenstunden, das mittelfristig sogar sechs Wochenstunden betragen soll. In den letzten Jahren wurde Forderung nach einem Pflichtfach in den Bundesländern vorangetrieben, doch eine flächendeckende Umsetzung ist leider noch nicht in Sicht.
Einführung des Pflichtfachs in der Sek I
Informatik-Monitor 2026/27
Übersicht der Bundesländer mit Informatikunterricht in der Sekundarstufe I
| mind. 6 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen1 | |
| mind. 4 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen2 | |
| mind. 1 Pflichtstunde Informatik an allen Schulformen | |
| kein für alle verbindlicher Informatikunterricht |
1 mittelfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
2 kurzfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
Auch in der gymnasialen Oberstufe ist das Fach Informatik ein wichtiger Bestandteil der schulischen Bildung und liefert fundierte Kenntnisse für die Zeit nach der Schule (Studium, Ausbildung und Leben). In den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) zur gymnasialen Oberstufe wird Informatik jedoch systematisch gegenüber den naturwissenschaftlichen Fächern benachteiligt. Dies könnte eine der Ursachen für die niedrigeren Belegungsquoten in Informatik im Vergleich zu den Naturwissenschaften sein1. Die Bundesländer verfügen über einen gewissen Spielraum bei der Ausgestaltung der Oberstufe und können Informatik mit ähnlichen Belegungs- und Anrechnungsmöglichkeiten wie die Naturwissenschaften berücksichtigen, um die Attraktivität des Fachs zu erhöhen.
1 Etwa 40 % jeweils für Chemie und Physik, 80% für Biologie, KMK 2023 (eigene Berechnungen).
Belegung in der Oberstufe
Lehramtsabsolventinnen und -absolventen sind am besten qualifiziert, um Informatikunterricht an Schulen zu erteilen. Obwohl die akute Lehrkräftelücke kurzfristig andere Einstellungsstrategien, wie etwa Weiterbildungsmaßnahmen, erfordert, soll der langfristige Bestand an Informatiklehrkräften an Schulen durch grundständig qualifizierte Lehramtsabsolventinnen und -absolventen gesichert werden. Dies kann nach Schätzungen mit etwa 1.000 Absolvierenden pro Jahr gelingen. In den letzten Jahren (für die dem Statistischen Bundesamt Daten vorliegen) ist die Zahl der Lehramtsabsolventinnen und -absolventen mit dem Fach Informatik zurückgegangen.
Studienabschlüsse im Lehramt
Ein wachsendes Angebot des Fachs Informatik an Schulen – sowohl als Pflichtfach in der Sekundarstufe I als auch aufgrund der steigenden Nachfrage in der Sekundarstufe II – erfordert einen Ausbau des Bestands an Informatiklehrkräften. Unsere Berechnungen der Voraussetzungen für ein flächendeckendes Pflichtfach im geforderten Umfang von sechs Wochenstunden in allen Bundesländern ergeben einen Bedarf von mindestens 32.000 Informatiklehrkräften. Dies bedeutet, dass nicht nur neue Lehramtsabsolventinnen und -absolventen eingestellt werden müssen, sondern dass auch bestehende Lehrkräfte für das Fach Informatik weitergebildet werden müssen und das Potenzial des Quer- und Seiteneinstiegs genutzt werden muss. Die absoluten Zahlen der Informatiklehrkräfte sind in den letzten Jahren leicht gestiegen – vorangetrieben durch Weiterbildungsmaßnahmen in Bundesländern, die das Fach Informatik als Pflichtfach eingeführt haben – aber sie werden mit diesem Tempo den Bedarf in den kommenden Jahren nicht decken.
