Zur Situation des Informatikunterrichts in Deutschland
#InformatikMonitor
Oktober 2024


Um grundlegende digitale und informatische Schlüsselkompetenzen zu vermitteln, ist ein bundesweites Pflichtfach Informatik unabdingbar. Darüber sind sich viele Expertinnen und Experten und auch die Ständige Wissenschaftliche Kommission einig. Diese berät die Kultusministerkonferenz und fordert, verpflichtenden Informatikunterricht mittelfristig im Gesamtumfang von sechs Jahreswochenstunden in den Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I einzuführen.
Doch die Realität in deutschen Schulen ist eine andere: Je nach Bundesland ist das Angebot des Informatikunterrichts sehr unterschiedlich – von fest verankert bis kaum vorhanden. Der Informatik-Monitor schafft einen aktuellen Überblick zum Stand der informatischen Bildung in Deutschland und gibt einen detaillierten Einblick in die Situation der einzelnen Bundesländer.
Neben einer Darstellung der Pflichtstunden Informatikunterricht für jedes Bundesland enthält der Informatik-Monitor Zahlen zur Abdeckung des Informatikunterrichts in erreichten Schülerinnen und Schülern, Anzahl der Informatiklehrkräfte, Zahlen zum Lehramtsstudium und der Weiterbildung für den Informatikunterricht sowie eine Darstellung der Stundentafeln aller Schulformen der Sekundarstufe I und wie der Informatikunterricht darin verortet ist. Damit ist der Informatik-Monitor eine zentrale Orientierungsgrundlage und Informationsplattform für den gesellschaftlichen Diskurs zum Thema Informatik an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen.
Aktuelle Meldungen
Informatik-Monitor 2024/25
Übersicht der Bundesländer mit Informatikunterricht in der Sekundarstufe I
Die wichtigsten Neuerungen:
- Thüringen führt das Pflichtfach „Medienbildung und Informatik“ im Gesamtumfang von sechs Wochenstunden in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 in die Stundentafel ein. Die Umsetzung erfolgt, beginnend mit einer Wochenstunde in Jahrgangsstufe 5, schrittweise bis 2030.
- Schleswig-Holstein führt Informatik als Pflichtfach im Gesamtumfang von vier Wochenstunden in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 ein.
- Sieben Bundesländer bieten keinen für alle Schülerinnen und Schüler verbindlichen Informatikunterricht an.
| mind. 6 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen1 | |
| mind. 4 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen2 | |
| mind. 1 Pflichtstunde Informatik an allen Schulformen | |
| Informatikangebote an einzelnen Schulformen oder in einzelnen Jahrgangsstufen | |
| kein Angebot |
1 mittelfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
2 kurzfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
Informatik-Monitor — Prognose 2027
Übersicht der Bundesländer mit Informatikunterricht in der Sekundarstufe I als Prognose für das Jahr 2027
Zu erwartende Entwicklungen:
- Hamburg wird Informatik als Pflichtfach an allen Schularten im Gesamtumfang von vier Wochenstunden einführen.
- Bremen wird Informatik als Pflichtfach an allen Schulen im Gesamtumfang von zwei bis vier Wochenstunden einführen.
- In Berlin, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind keine verbindlichen Vorhaben für die Einführung des Pflichtfachs Informatik bekannt.
| mind. 6 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen1 | |
| mind. 4 Pflichtstunden Informatik an allen Schulformen2 | |
| mind. 1 Pflichtstunde Informatik an allen Schulformen | |
| Informatikangebote an einzelnen Schulformen oder in einzelnen Jahrgangsstufen |
1 mittelfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
2 kurzfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
Umfang des Pflichtfachs
| 6 Wochenstunden1 | |
| 4 Wochenstunden2 | |
| 1–2 Wochenstunden |
1 mittelfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
2 kurzfristige Forderung laut SWK-Gutachten (2022)
Um die Vielzahl informatischer Themen nicht nur oberflächlich behandeln zu können, ist ein umfangreicher Informatikunterricht nötig. Die Ständige wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz empfiehlt dafür sechs Wochenstunden Informatikunterricht in der Sekundarstufe I wie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, mit einer Stunde pro Woche von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe. Trotz einem beachtlichen Zuwachs an Bundesländern mit Pflichtfach Informatik seit dem Schuljahr 2019/20 erhalten im Schuljahr 2024/25 nur sechs Prozent der Schulkinder einen Informatikunterricht im Umfang von sechs Wochenstunden. Eine Prognose auf Basis der politischen Absichtserklärungen der Bundesländer sowie den dortigen Schülerzahlen zeigt, dass auch im Schuljahr 2027/28 die Mehrheit der Schulkinder nur ein bis zwei Wochenstunden verbindlichen Informatikunterricht erhalten werden.
Studienorte
Hochschulstandorte mit der Möglichkeit des Informatiklehramtstudiums
Wichtige Ergebnisse:
- Im Jahr 2022 gab es insgesamt 338 Absolvierende des Lehramtsstudiums Informatik (Vergleich Jahr 2021: 318).
- Spitzenreiterin ist die FAU Erlangen-Nürnberg in Bayern mit 42 Absolvierenden.
- Bremen ist das einzige Bundesland ohne eine Möglichkeit Informatik auf Lehramt zu studieren.
| mehr als 25 Absolventinnen und Absolventen | |
| 21—25 Absolventinnen und Absolventen | |
| 16—20 Absolventinnen und Absolventen | |
| 11—15 Absolventinnen und Absolventen | |
| 6—10 Absolventinnen und Absolventen | |
| 1—5 Absolventinnen und Absolventen | |
| keine Absolventinnen und Absolventen |
Weiterbildungsmaßnahmen 2024/25
Anteil der Lehrkräfte mit abgeschlossener Weiterbildung für Informatik in der Sekundarstufe I an allen Lehrkräften
Wichtige Ergebnisse:
- Im letzten Jahr schlossen bundesweit mindestens 907 Lehrkräfte eine Weiterbildung zur Lehrbefähigung in Informatik für die Sekundarstufe I ab.
- Gemessen am Anteil aller Lehrkräfte der Sekundarstufe I wurden im Saarland mit 19 je 1.000 Lehrkräften die meisten Personen weitergebildet.
- In absoluten Zahlen bildete Nordrhein-Westfalen mit 336 die meisten Lehrkräfte weiter.
| mehr als 11 pro 1.000 | |
| 5—10 pro 1.000 | |
| 1—5 pro 1.000 | |
| weniger als 1 pro 1.000 | |
| keine abgeschlossenen Weiterbildungen | |
| keine Daten verfügbar |

