Informatikunterricht in Rheinland-Pfalz
Angebot des Informatikunterrichts
Der Wahlpflichtbereich an der Realschule plus hat einen Umfang von 14 Wochenstunden in den Jahrgangsstufen 7 bis 10, wobei verbindliche informatische Inhalte zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus kann ein Wahlpflichtfach Informatik im Rahmen schuleigener Angebote im Umfang von insgesamt vier bis sechs Wochenstunden in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 angeboten werden.1
An der Integrierten Gesamtschule und am Gymnasium mit neunjähriger Laufzeit und ohne altsprachlichen Schwerpunkt kann in den Jahrgangsstufen 9 und 10 ein zwei- bis dreistündiges Wahlfach Informatik angeboten und belegt werden.2 Am Gymnasium mit achtjähriger Laufzeit und ohne altsprachlichen Schwerpunkt kann in den Jahrgangsstufen 8 und 9 ein dreistündiges Wahlpflichtfach Informatik angeboten werden.3
Seit dem Schuljahr 2021/22 findet an 21 Informatik-Profil-Schulen in Jahrgangsstufe 5 verbindlicher Informatikunterricht statt. Schülerinnen und Schüler dieser Schulen können sich für durchgehenden Informatikunterricht von Jahrgangsstufe 6 bis 10 entscheiden.4
Der Informatikunterricht für die Sekundarstufe I ist in Tabelle 1 zusammengefasst.
| JAHRGANGSSTUFEN | ||||||
| 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | |
| Realschule plus | — | — | [IIIII I]a | |||
| Integrierte Gesamtschule | — | — | — | — | OOOb | OOOb |
| GymnasiumG9 | — | — | — | — | OOOb, c | OOOb, c |
| GymnasiumG8 | — | — | — | IIIc | IIIc | IId |
| ANMERKUNGEN | P PflichtfachI WahlpflichtfachO Wahlfach— = nicht gegeben a Gesamtkontingent für ein schuleigenes Angebot; auch IIII möglichb auch OO möglichc gilt nicht am altsprachlichen Gymnasium und im altsprachlichen Zug d Grundkurs der Einführungsphase (G8) | |||||
Nachweise
1 Stundentafel für die Realschule plus, Abschnitte 3.1, 6. [Web]
2 Stundentafeln für die Klassenstufen 5 bis 9/10 der Hauptschule, der Regionalen Schule, der Dualen Oberschule, der Realschule, der Integrierten Gesamtschule und des Gymnasiums, Abschnitte 3.5, 3.6., 3.7. [Web]
3 Stundentafeln für die Klassenstufen 5 bis 9 des Gymnasiums mit 8-jähriger Schulzeit (G8GTS). [Web]
4 Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Informatik-Profil-Schulen (IPS). [Web]
In der Jahrgangsstufe 11 (Einführungsphase) des G9-Bildungsgangs kann Informatik dreistündig als Grundfach oder fünfstündig als Leistungsfach angeboten und belegt werden. Im G8-Bildungsgang kann Informatik in der Jahrgangsstufe 10 (Einführungsphase) zweistündig als Grundfach oder vierstündig als Leistungsfach angeboten und belegt werden.1
In der Qualifikationsphase kann Informatik grundsätzlich dreistündig auf grundlegendem Anforderungsniveau (Grundfach) oder fünfstündig auf erhöhtem Anforderungsniveau (Leistungsfach) angeboten und belegt werden. Dabei kann Informatik als Leistungsfach nur belegt werden, wenn in den beiden Schuljahren, die der gymnasialen Oberstufe unmittelbar vorausgehen, Informatik als Wahl- oder als Wahlpflichtfach belegt wurde.2
Bei den Belegungsverpflichtungen ist Informatik den naturwissenschaftlichen Fächern nicht vollständig gleichgestellt. In allen Leistungsfachkombinationsmöglichkeiten mit einer Naturwissenschaft kann jedoch das Fach Informatik die Naturwissenschaft ersetzen, wobei – ggf. unter der Maßgabe, dass die Pflichtwochenstundenanzahl erhöht wird - sicherzustellen ist, dass die Fächerwahl im Pflichtbereich mindestens eine Naturwissenschaft enthält.3 In einem Leistungskurs Informatik wird schriftlich geprüft.4
In einem Grundkurs Informatik kann im mathematisch-naturwissenschaftlichen Abiturprüfungsprofil im Rahmen des vierten bzw. fünften Prüfungsfachs eine mündliche Prüfung durchgeführt bzw. alternativ eine besondere Lernleistung eingebracht werden, eine durchgehende Belegung seit der Einführungsphase vorausgesetzt. Im Leistungsfach findet eine schriftliche Prüfung statt.5
Bei der Wahl der Prüfungsfächer ist Informatik den naturwissenschaftlichen Fächern im mathematisch-naturwissenschaftlichen Prüfungsprofil gleichgestellt, da es diese ersetzen kann.6
Tabelle 2 fasst den Informatikunterricht in der gymnasialen Oberstufe zusammen.
| BELEGUNG | ABITURPRÜFUNGEN | ||||||
| E | QgA | QeA | MINT-Gleichstellung | S | M | A | MINT-Gleichstellung |
| IIa | IIIb | IIIIIc | nein | jac | jad | jad | jad |
| ANMERKUNGEN | E = EinführungsphaseQgA = Qualifikationsphase, grundlegendes AnforderungsniveauQeA = Qualifikationsphase, erhöhtes AnforderungsniveauP PflichtfachI WahlpflichtfachO Wahlfach— = nicht gegeben S = schriftlichM = mündlichA = andere Formen a Grundfach Informatik in Jgst. 10 (G8) bzw. 11 (G9); Leistungsfach mit möglich IIII; entfällt im Musikzweigb Grundfachc Leistungsfachd im mathematisch-naturwissenschaftlichen Prüfungsprofil | ||||||
Für die Realschule plus liegt ein Lehrplan für den Wahlpflichtbereich in den Jahrgangsstufen 6 bis 10 vor, der integrativ zu vermittelnde Kompetenzen zur informatischen Bildung formuliert. Dieser umfasst in Klasse 6 bis 10 die interdisziplinären Fächer „Technik und Naturwissenschaft“, „Hauswirtschaft und Sozialwesen“, „Wirtschaft und Verwaltung“ sowie die zweite Fremdsprache, in denen informatische Kompetenzen zu vermitteln sind.1
Für die Integrierte Gesamtschule und das Gymnasium liegt ein gemeinsamer Lehrplan für ein Wahl- bzw. Wahlpflichtfach Informatik in den Jahrgangsstufen 9 bis 10 vor.2
Für die Einführungs- und Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe liegt ein Rahmenplan für das Fach Informatik vor.3
Tabelle 3 fasst die vorliegenden Lehrpläne gegliedert nach Schulart und Jahrgangsstufe zusammen.
| SEKUNDARSTUFE I | OBERSTUFE | ||||||||
| 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11E | QgA | QeA | |
| Realschule plus | — | ia | ia | ia | ia | ia | — | — | — |
| Integrierte Gesamtschule | — | — | — | — | pb | pb | pc | pc | pc |
| Gemeinschaftsschule | — | — | — | — | pb | pb | pc | pc | pc |
| ANMERKUNGEN | p eigenständiges Fachi interdisziplinäres Facho fächerübergreifender Unterricht— = nicht gegeben 11E = Einführungsphase (G9)QgA = Qualifikationsphase, grundlegendes AnforderungsniveauQeA = Qualifikationsphase, erhöhtes Anforderungsniveaua Wahlpflichtbereichb Wahl-/Wahlpflichtfach Informatikc Informatik (Oberschule) | ||||||||
Nachweise
1 Rahmenplan Wahlpflichtbereich Realschule plus, S. 4–5, 7–8. [Web]
2 Lehrplan Informatik. Wahlfach und Wahlpflichtfach an Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen (Sekundarstufe I). [Web]
3 Lehrplan Informatik. Grund- und Leistungsfach Einführungsphase und Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe (Mainzer Studienstufe). [Web]
Die Primarstufe umfasst die Grundschule mit den Jahrgangsstufen 1 bis 4. In der Sekundarstufe I (Sek I) existieren mit der Realschule plus, der Integrierten Gesamtschule und dem Gymnasium drei verschiedene Schularten, welche die Jahrgangsstufen 5 bis 10 abdecken und entsprechende Bildungsgänge ermöglichen. Die gymnasiale Oberstufe umfasst an der integrierten Gesamtschule sowie am Gymnasium die Jahrgangsstufe 11 als Einführungsphase sowie die Jahrgangsstufen 12 und 13 als Qualifikationsphase (G9-Bildungsgang). An einigen Gymnasien besteht die Möglichkeit für einen G8-Bildungsgang. Eine Übersicht über die allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz zeigt nachfolgende Abbildung.1
| G8 | G9 | ||||||||||||||||||
| 13 | |||||||||||||||||||
| 12 | 12 | ||||||||||||||||||
| 11 | 11 | ||||||||||||||||||
| 10 | 10 | ||||||||||||||||||
| 9 | 9 | ||||||||||||||||||
| 8 | 8 | ||||||||||||||||||
| 7 | 7 | ||||||||||||||||||
| 6 | Realschule plus | Integrierte Gesamtschule | Gymnasium | 6 | |||||||||||||||
| 5 | 5 | ||||||||||||||||||
| 4 | 4 | ||||||||||||||||||
| 3 | 3 | ||||||||||||||||||
| 2 | Grundschule | 2 | |||||||||||||||||
| 1 | 1 | ||||||||||||||||||
Nachweise
1 Schulgesetz (SchulG). [Web]
Kennzahlen zum Informatikunterricht
Informatikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler ist wichtig, um diesen die mündige Teilhabe in einer von Digitalisierung geprägten Welt zu ermöglichen. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz – im Einklang mit Forderungen aus Zivilgesellschaft, Verbänden und des Wissenschaftsrats – fordert daher ein Pflichtfach Informatik im Umfang von sechs Wochenstunden über die gesamte Sekundarstufe I. Die nachfolgenden Darstellungen basieren auf den Stundentafeln der verschiedenen Schularten des Bundeslandes und bilden die Stunden für das Pflichtfach Informatik ab.
| * | Kernbereich: Deutsch, Mathematik, 1. Fremdsprache; Gymnasium: 2. Fremdsprache |
| Naturwissenschaftlich−technischer Bereich (Nawi): Nawi (kombiniert) | |
| Gesellschaftswissenschaftlicher Bereich (Gewi): Gewi (kombiniert), Ethik, Religion | |
| Ästhetischer Bereich/Sport: Kunst/Musik/Darstellendes Spiel (kombiniert), Sport | |
| Profil−/Wahlpflichtbereich: Poolstunden; Realschule plus: Profilstunden; außer Gymnasium: Wahlpflichtunterricht |
Informatische Kompetenzen, die im Rahmen eines eigenständigen Informatikunterrichts erworben werden, befähigen zu einer aktiven Teilhabe in einer durch Digitalisierung geprägten Welt. Nur durch ein Pflichtfach Informatik kann sichergestellt werden, dass alle Schülerinnen und Schüler diese Kompetenzen erwerben und diese nicht abhängig von der Einzelschule, dem Geschlecht oder der sozialen Herkunft sind. Eine frühe Auseinandersetzung mit informatischen Themen hilft auch dabei Stereotypen abzubauen und könnte insbesondere für Mädchen und junge Frauen ausschlaggebend sein, Informatik als Oberstufenfach und anschließendes Ausbildungs- oder Studienfach zu wählen.
| I. | Anteil Schulen mit Pflichtfach Informatik1 | 38 % | ||
| II. | Anteil Schulen mit Wahlpflichtfach Informatik1 | 44 % | ||
| III. | Anteil SuS mit Pflichtfach Informatik in der Sek I1 | 7 % | ||
| davon weiblich | 43 % | |||
| IV. | Anteil SuS mit Informatik in der Sek II | 32 % | ||
| davon weiblich | 30 % | |||
| V. | Anteil Abiturientinnen und Abiturienten mit Prüfungsfach Informatik2 | — | ||
| davon weiblich | — |
Anmerkung:
— = keine Angabe
Fußnoten:
1 Ohne Förderschule/Abendgymnasium
2 Ohne Abendgymnasium
Referenzjahr:
Schuljahr 2023/2024: I, II, III, V
Schuljahr 2022/2023: IV
Quellen:
Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: I, II, III, V
Kultusministerkonferenz: IV
Informatik ist in allen Bundesländern ein Mangelfach, was bedeutet, dass zu wenige Lehrkräfte mit einer Lehrbefähigung für Informatik zur Verfügung stehen. Um einen Informatikunterricht im Umfang von sechs Wochenstunden (Empfehlung der Ständigen wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz) anbieten zu können, sollte der Anteil der Informatiklehrkräfte an allen Lehrkräften bei mindestens acht Prozent* liegen. Die Qualifikation zur Informatiklehrkraft kann dabei über verschiedene Wege erfolgen, wie etwa das grundständige Lehramtsstudium oder einen Quer- bzw. Seiteneinstieg. Auch nebenberufliche Weiterbildungen im Fach Informatik ist für Lehrkräfte im Schuldienst möglich, diese werden jedoch nicht als Neueinstellungen gezählt.
| I. | Anteil Informatiklehrkräfte | 3 % | |
| davon weiblich | 26 % | ||
| II. | Anzahl bestehende Informatiklehrkräfte qualifiziert durch ... | 660 | |
| grundständiges Lehramtsstudium mit Fach Informatik | 321 | ||
| nebenberufliche Weiterqualifizierung im Fach Informatik | 280 | ||
| einschlägige Berufserfahrung als Lehrkraft | — | ||
| Quer- oder Seiteneinstieg | 58 | ||
| anderweitige Qualifikation/keine Angabe | 1 | ||
| III. | Anzahl jährlich neu eingestellte Informatiklehrkräfte qualifiziert durch … | 16 | |
| grundständiges Lehramtsstudium mit Fach Informatik | 14 | ||
| Quer- oder Seiteneinstieg | — | ||
| anderweitige Qualifikation/keine Angabe | 2 |
Anmerkung:
— = keine Angabe
Fußnoten:
Ohne Förderschule, hauptamtlich Beschäftigte.
Referenzjahr:
Schuljahr 2023/2024
Quellen:
Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
* Hochrechnung auf Basis der Informatiklehrkräfte in Sachsen, dem Bundesland mit dem höchsten Anteil.
Von Anfang des Lehramtsstudiums Informatik im Bachelor oder Staatsexamen bis zum Master- oder Staatsexamensabschluss scheiden Personen aus dem Studium aus. Bundesweit erwirbt lediglich etwa ein Drittel der Erstsemesterstudierenden im Lehramt Informatik einen entsprechenden Abschluss. Die hier dargestellten Zahlen bilden den Schwund allerdings nur ungenau ab, da sie sich auf Erstsemester und Absolvierende im gleichen Jahr beziehen. Bundesweit war im Jahr 2023 die größte Quelle an neuen Informatiklehrkräften die Weiterbildung bestehender Lehrkräfte. Diese Zahlen unterliegen größeren Schwankungen als die Zahlen der Lehramtsstudierenden, da die Einführung des Pflichtfachs Informatik zeitweise zu einer deutlichen Erhöhung der Weiterbildungszahlen im jeweiligen Bundesland führen kann.
Studium
| I. | Anzahl Studienanfängerinnen und -anfänger im Lehramt Informatik | 79 | |
| davon weiblich | 22 | ||
| II. | Anzahl Absolventinnen und Absolventen im Lehramt Informatik | 13 | |
| davon weiblich | 5 |
Weiterbildung
| III. | Anzahl Lehrkräfte Beginn Weiterbildung Informatik für Sek I und II jährlich | 125 | |
| davon weiblich | 36 | ||
| IV. | Anzahl Lehrkräfte Abschluss Weiterbildung Informatik für Sek I jährlich | 45 | |
| davon mit Lehrbefähigung nur für Unterstufe | 0 | ||
| V. | Anzahl Lehrkräfte Abschluss Weiterbildung Informatik für Sek II jährlich | 0 | |
| davon mit Lehrbefähigung nur für Grundkurse | 0 |
Referenzjahr:
Schuljahr 2022/2023: I, II.
Schuljahr 2023/2024: III, IV, V.
Quellen:
Statistisches Bundesamt: I, II.
Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: III, IV, V.

